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Montag, den 19. Juli 2004 um 00:00 Uhr

MERKBLATT FÜR INVALIDITÄTS-
und RENTENANGELEGENHEITEN

Grundsätzlich kommt es bei Invaliditäts- und Rentenangelegenheiten (dies gilt auch für Verfahren bei Berufsgenossenschaften und Versorgungsämtern) auf die Art und Weise an, wie Sie sich äußern. Es ist unerheblich, wo die Äußerungen stattfinden, schriftlich gegenüber einer Behörde, mündlich beim Gericht, mündlich bei einem Gutachter usw. Die nachfolgenden Gedanken müssen in jedem Fall beachtet und, abgewandelt auf die persönliche Situation, angewandt werden.


Zum großen Teil geht es um Ihre Glaubwürdigkeit. Wenn Sie z.B.. bei einem ärztlichen Gutachtentermin Tatsachen geäußert haben, die dann später bei einer eventuellen Gerichtsverhandlung berichtigt oder ergänzt werden müssen, dann ist Ihre Glaubwürdigkeit "angekratzt". Deshalb ist es unbedingt erforderlich, gut vorbereitet zu einem Gutachtentermin, einer Gerichtsverhandlung usw. zu gehen. Am besten machen Sie sich einen "Spickzettel" auf dem die chronologische Entwicklung Ihrer Krankheiten vollständig dargestellt ist und der auch alle "Kleinigkeiten" und besonderen (auch einmalige oder seltene) gesundheitliche Ereignisse enthält. Dieser Spickzettel sollte am besten in Form eines Krankheitslebenslaufes geschrieben sein, der auch die Einflussnahme der schlimmer werdenden Krankheiten auf Ihre Arbeit und auf Ihr Leben aufzeigt. Außerdem gehört Ihr persönliches Erleben der Krankheiten auf diesen Spickzettel. Ihr Hausarzt, auch wenn er besonders vertraut ist mit Ihnen und Ihnen unbedingt helfen will, steckt nicht in Ihrem Körper und kann deshalb das persönliche Erleben einer Krankheit nicht besser beschreiben als Sie selbst. Diesen Spickzettel kopieren Sie für sich selbst und für Ihren Rechtsbeistand. Das Original geben Sie beim Gutachter ab.

 

Es muss ganz genau  gesagt werden, was man meint. "Ich habe beim Fenster putzen immer Hilfe" ist etwas anderes als: "Beim Fenster putzen kann ich selbst nicht mehr mitarbeiten, ich kann nur noch aufpassen, dass alles richtig gemacht wird." Der erste Satz ist nicht falsch, denn es ist Hilfe da, er ist aber unvollständig und verursacht falsche Rückschlüsse auf Ihre Restleistungsfähigkeit. Nur der zweite Satz stellt klar, dass Sie beim Fensterputzen selbst nicht mehr aktiv anpacken können. Je mehr Tätigkeiten Sie im Haushalt und im Hobbybereich ausführen können, umso geringer wird die Chance auf eine Rentenzahlung. Es nutzt nichts, wenn Sie die Situation besser darstellen als sie ist. Insbesondere darf man sich nicht minderwertig vorkommen, nur weil viele Sachen, die früher problemlos waren nun nicht mehr erledigt werden können. Werden Sie nach Hobbys gefragt und geben Sie ein oder mehrere Hobbys an, ohne den Zusatz, dass Sie diese Hobbys schon z.B. seit 2 Jahren nicht mehr ausüben können (wenn es tatsächlich so wäre), dann kommt dies ganz falsch bei der anderen Seite an und wird sich nachteilig auf die Rentengewährung auswirken.

 

Wenn Sie noch Hausarbeiten ausüben können, dies aber mit dem vielfachen Zeitaufwand, dann muss dies auch genau so gesagt werden. "Ich bügle zweimal in der Woche Hemden." genügt nicht. In diesem Fall muss es z.B. heißen: "Ich bügle zweimal in der Woche Hemden, wobei ich für jedes Hemd eine halbe Stunde brauche und mich nach jedem Hemd für 15 Minuten ausruhen muss. Früher habe ich für jedes Hemd nur 10 Minuten gebraucht."
Werden für Hausarbeiten Hilfsmittel oder sonstige Erleichterungen benutzt, dann muss dies angesprochen werden. Es ist ein Unterschied, ob Sie zum Kartoffeln schälen eine Kartoffelschälmaschine benutzen, oder ob Sie dies von Hand machen. Es ist ein Unterschied, ob Sie die Betten nur deshalb bauen können, weil das Bettgestell extra für Sie erhöht wurde und Sie sich deshalb nicht bücken müssen, oder ob Sie ganz normal die Betten bauen.

 

Verarbeiten Sie z.B. jeden Tag frisches Gemüse in der Küche, dann wird die andere Seite davon ausgehen, dass Sie Erwerbstätigkeiten die hohe Anforderungen an die Feinmotorik der Hände stellen, noch ausüben können. Können Sie aber schon keine Kartoffeln mehr schälen, keinen Rosenkohl mehr putzen usw., obwohl Sie das gern essen würden, darf also nicht gesagt werden: "Ich esse gern jeden Tag frisches Gemüse." sondern: "Ich würde gern jeden Tag frisches Gemüse essen, muss aber Tiefkühlgemüse nehmen, weil ich die Zubereitung nicht mehr vornehmen kann."


Unsere Empfehlung zu Anträgen Erwerbsminderungsrente und/oder Versorgungsamt

 

Quelle: Patienten-Informationen
Autor: diebandscheibe.de


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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 25. Januar 2010 um 00:04 Uhr