Bandscheiben-Forum

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> Schleudertrauma! HWS, Etwas sehr wichtige für Unfallgeschädigt
Gartengnom
  Geschrieben am: 25 Feb 2006, 10:26


Boardmechaniker
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Hallo Bandis,

in letzter Zeit lese ich mit Entsetzten immer wieder, das einige von euch gerade nach einem Schleudertrauma erheblich Probs im HWS Bereich haben. Ich als Selbstgeschädigte, die einen langen Leidensweg hinter sich hat der nicht hätte sein müssen, möchte euch an dieser Stelle mehr Infos bezlg. zu diesem Thema geben. Falls dies nicht der richtige Tread ist, verschiebt ihn bitte. Danke schon mal an die Admins.

Schleudertrauma

Auch das so genannte HWS-Schleudertrauma - meist in Folge eines Aufprallautounfalls - kann zu einer schweren Zerrung der Nackenmuskulatur führen. Über 400.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden erfasst die Polizei in Deutschland jährlich. Die häufigste Verletzungsfolge: Schleudertrauma. Dabei ist das Wort "Schleudertrauma" nicht nur Diagnose, sondern gibt auch den Unfallmechanismus wieder. Fachleute benutzen das amerikanische "whiplash", Peitschenschlag, um das Phänomen zu beschreiben. Mediziner sprechen von einer Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, wenn durch ein plötzliches Vor- und Zurückschleudern des Kopfes bei einem Aufprallunfall verschiedene Strukturen des Halses verletzt werden - wie Muskeln, Bänder, Bandscheiben und Halswirbel.

Nach einem Unfall sollte mit Hilfe von Röntgenbildern eine Verletzung der Halswirbel ausgeschlossen werden. Über Weichteilverletzungen bieten die Bilder jedoch keinen Aufschluss. Die körperliche Untersuchung, die Unfallgeschichte und die vom Patienten angegebenen Symptome sind deshalb die Basis für die Diagnose. Wie weit kann der Patient den Kopf drehen? Ist die Kraft in den Händen und Armen noch vorhanden?

Der Halswirbelbereich hat eine hohe Nervendichte. Die Schädigung einer Nervenwurzel könnte Muskelschwäche oder ein brennendes Gefühl in einem Arm erzeugen. Getestet werden auch die Reizleitung der Nerven, ob kein Taubheitsgefühl vorhanden ist, und die Reflexe. Die häufig verordnete Behandlung mit einer Halskrawatte ist nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis oft überflüssig. Eine Halskrawatte verschlechtert eher das Problem, weil durch die Ruhestellung die Verspannung im Nacken noch zunimmt. Für die Therapie sind Schmerztabletten, Krankengymnastik und physikalische Maßnahmen angebracht. Die Tendenz heutzutage bei der Behandlung von Schleudertrauma ist, dass die Patienten möglichst schnell zu ihren normalen Aktivitäten zurückkehren. Das verbessert die Prognose.

Bei Menschen, die bei einem Verkehrsunfall ein Schleudertrauma erleiden, gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Schwere des Unfalls und den Beschwerden. Das konnten Unfallforscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nachweisen.

Der Schleudertrauma-Schmerz ist auch physiologisch nachweisbar ist, dass haben Prof. Matthias Keidel von der Klinik für Neurologie in Bayreuth und Kollegen aufgedeckt. Kopfschmerzen nach einem Schleudertrauma gehen mit objektiv nachweisbaren, neurophysiologischen Veränderungen einher. Die Störungen zeigen sich circa 5 Tage nach einem Unfall. Hierfür wurden 82 Patienten, die nach einem Schleudertrauma an Kopfschmerzen litten, und 82 gesunde Kontrollpersonen untersucht. Getestet wurde der so genannte Kieferöffnungs-Reflex. Mit ihm lässt sich überprüfen, inwieweit das Stammhirn Schmerzimpulse in einer Art körpereigener Schmerzhemmung kontrolliert. Wie es sich herausstellte, war bei den Schleudertrauma-Patienten die späte Antwort des schmerzhemmenden Stammhirn-Reflexes deutlich verkürzt. Solche Patienten als Simulanten abzustempeln, sei deshalb nicht gerechtfertigt.

Nicht immer sind die Symptome für ein HWS-Syndrom eindeutig. Neben Nacken-, Hinterkopf- oder Bewegungsschmerzen der Halswirbelsäule können auch Konzentrationsstörung, Übelkeit, Schwindel, Seh-, Hör-, und Schlafstörungen, sowie Zahn- und Kieferschmerzen und ein Taubheitsgefühl in den Armen oder Fingern auf ein HWS-Syndrom hindeuten. Circa 90 Prozent der HWS-Beschwerden benötigen keine oder nur konservative Therapie. Nur in 5 bis höchstens 10 Prozent der Fälle ist eine operative Therapie nötig. Kommt es jedoch bei Veränderungen der Halswirbelsäule zu Lähmungserscheinungen oder noch schlimmer zu Gangstörungen, muss häufig operiert werden. Patienten mit massiven Armbeschwerden ohne Neurologie profitieren bei nachgewiesenem Bandscheibenvorfall ebenfalls von einer Operation. Der präoperative konservative Therapieversuch sollte deshalb nicht länger als 6 Wochen ausgedehnt werden. Die konservative Therapie heißt: Muskelentspannende, antiphlogistische Medikamente und physikalische Medizin - wie Wärme, Massagen, isometrische Muskelkräftigung, Dehnungsübungen, Haltungskontrolle, manuelle Therapie oder Osteopathie.

Ein ambulantes Therapieverfahren an der Halswirbelsäule, um eine Operation zu vermeiden, ist die semiinvasive Behandlung mit Hilfe der Computer-Tomographie. CT-Aufnahmen sind die Grundlage für die Diagnose und Therapie. Durch sie lässt sich die schmerzende Stelle an der Halswirbelsäule lokalisieren. Das CT zeigt dann exakt, wo und wie tief zwei dünne Kanülen eingeführt werden können. Die Einzeichnung dient als Richtlinie für den Arzt, damit auch genau jene Nervenäste, die den Gelenkschmerz weiterleiten, getroffen werden. Über die Kanülen erfolgt eine Betäubung mittels eines Lokalanästhetikums. Zur dauerhaften Behandlung kann ein Depot-Cortison-Präparat hinzugegeben werden, das über einen längeren Zeitraum die Entzündungsreaktion am Gelenk reduziert. Bei vielen Patienten kann der Effekt 6 Monate, ja bis zu einem Jahr, anhalten. Die Therapie ist wenig belastend und kann auch öfter wiederholt werden. Die Erfolgsquote beträgt 80 Prozent. Machmal ist trotz Therapie eine OP unumgänglich, wenn Verletzungen der BS (Zerreissungen des Faserrings) vorhanden sind.


Liebe Grüsse

Sylvie :sonne
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