Name: Printe (7 Bandscheiben-OP`s in neun Jahren und trotzdem drei Schwangerschaften/Geburten J)

Alter: 34

Familie: verheiratet, 3 Kinder (Indra 5 Jahre und Timo 3,5 Jahre und Jonas 2 Jahre)

Hobbys: Meine Kinder und Sport (zu mehr reicht die Zeit leider nicht J)

(Stand: 02/09)


Meine „Bandscheibenkarriere“ begann mit 20 Jahren.. Es stellte sich heraus, dass ich als Kind mal an der Rückenkrankheit namens „Morbus Scheuermann“ erkrankt war und sich diese „Verformung der Wirbelsäule“ jetzt negativ auf die Bandscheiben auswirkt. Aus diesem Grund erwischte es mich in relativ jungen Jahren!!

Im Jahr 2000 wurde ich mit höllischen Rückenschmerzen in eine Klinik eingeliefert, wo man mich einige Zeit konservativ versuchte zu therapieren. Dies klappte jedoch nicht, weil ich inzwischen überhaupt kein Gefühl mehr im rechten Bein hatte und mich Tag und Nacht (trotz sehr vieler Medikamente) die Schmerzen plagten. Also wurde ich das erste Mal operiert. Direkt nach der Operation ging es mir gut und ich ging frohen Mutes nach Hause. Leider hielt die Freude nicht lange an. Wie sich herausstellte, waren bei mir gleich vier Bandscheiben auf einmal vorgefallen und es konnte sehr schwer herausgefunden werden, welche Bandscheibe nun die Beschwerden verursacht.

Das Jahr 2001 verbrachte ich dann - mehr oder weniger - in der Klinik. Ich konnte mich vor Schmerzen oftmals nicht bewegen und bekam diverse Therapien (Operationen, PDA-Schmerzkatheter, Rehamaßnahmen, konservative Maßnahmen, Medikamente....u.s.w.). Man schickte mich auch in eine Rehaklinik allerdings hatte dies keinen Sinn, da es mir dermaßen schlecht ging, dass eine Reha nicht möglich war. Somit wurde ich wieder ins Krankenhaus zurück gebracht und erneut operiert.

Danach hatte ich leider immer noch Beschwerden. Die Ärzte wussten keinen Ausweg mehr. Ich las im Internet vom Institut für Mikrotherapie bei Prof. Grönemeyer in Bochum, wo ich auch hinging und mich (stationär) behandeln ließ. Zunächst hatte ich den Eindruck, dass die Nervenverödungen an der Wirbelsäule, die in seinem Institut mittels hochprozentigem Alkohol durchgeführt werden, bei mir gut anschlagen würden. Im Frühjahr 2002 bin ich das erste Mal dort zur Behandlung gewesen und im Sommer folgten weiter Behandlungen. Ich setzte sehr viel Hoffnung in diese Methode, denn eine vierfache Versteifung der LWS (die auch schon einige Male im Gespräch war) wollte ich solange wie möglich umgehen.

Leider brachten mir die Behandlungen bei Prof. Grönemeyer nichts und ich landete wieder in der Klinik bei „meinem Neurochirurgen“ mit höllischen Dauerschmerzen. Er baute mir ein sog. Spinal Cord Stimulationsgerät (Rückenmarkstimulation) in die Wirbelsäule ein, weil er hofft, dass damit der Zustand des Dauerschmerzes unterbrochen werden könne und man ein wenig „Zeit zum Nachdenken“ gewinnt, bevor man wieder an den Bandscheiben „rumschnippelt“. Zunächst bekam ich ein Testgerät, was ich 9 Tage ausprobieren durfte. Es wurde eine Elektrode in der Nähe des Rückenmarks eingepflanzt, die ein Kribbeln im Bein verursachte. Ich spürte dieses Kribbeln auch ganz deutlich, jedoch half es mir leider überhaupt nichts gegen die Schmerzen, denn die wurden dadurch nicht weniger. So entschieden sich die Ärzte, das Testgerät wieder auszubauen und von einer dauerhaften Implantation abzusehen. Eine vierte Bandscheibenoperation musste wohl sein. Die Bandscheibe L5/S1  wurde nun operiert und ich bekam noch ein Korsett (Orthese), das ich tagsüber tragen sollte, damit die Wirbel – die sich inzwischen aufgrund der veränderten Stabilität der Wirbelsäule durch die vielen Operationen gegeneinander verschoben haben – gefestigt werden. Es wurde noch eine Magnetresonanztomographie unter Belastung gemacht, auf der zu sehen ist, wo nun (besonders beim Sitzen noch „Engstellen“ in der Wirbelsäule sind. Zum Glück gab es keine gravierenden Problemzonen mehr und mir wurde geraten abzuwarten, das Korsett regelmäßig zu tragen sowie regelmäßig Krankengymnastik zu betreiben. Dies tat ich dann auch und zu Beginn 2003 verabschiedeten sich ENDLICH die Schmerzen nach und nach. Ich setzte alle Medikamente ab und versuchte ohne Korsett klar zu kommen. Die Krankengymnastik wurde verstärkt und im Frühjahr habe ich dann dreimal die Woche in einem („normalen“) Fitnessstudio trainiert und bin zweimal die Woche ins Schwimmbad gegangen.

Jetzt dachte ich, dass ich „über`n“ Berg sei. Im Alltag war ich wieder voll einsatzfähig, der Sport ist wieder „altersgerecht“ (Step-Aerobic, Rücken- und Krafttraining) und Medikamente nahm ich keine mehr.

In der letzten Schwangerschaft (2006) mit meinem Sohn Jonas gab es jedoch einen heftigen Rückschlag, wohingegen die beiden vorherigen Schwangerschaften mit Indra (2003) und Timo (2005) völlig unproblematisch verliefen. Im vierten Schwangerschaftsmonat tobte ich mit Indra und Timo auf der Erde, als es plötzlich „knacks“ sagte und nichts mehr ging. Es wurde die folgenden Tage immer schlimmer und ich landete wieder in der Neurochirurgie mit den mir nur allzu gut bekannten Symptomen eines akuten Bandscheibenvorfalls. Zunächst wurde mit sehr starken Schmerzmitteln in enger Zusammenarbeit mit der gynäkologischen Klinik gearbeitet. Morphine und Dipidolor wurden verabreicht. Dennoch bekam man mich leider nicht schmerzfrei und die Lähmungen nahmen zu. Man entschied sich nach einer 14-tägigen Liegezeit mich trotz „Baby on board“ zu operieren. Mit einer speziellen Lagerungstechnik gelang es dann, die Bandscheibe zu operieren. Ich war meine Beschwerden direkt nach der OP los und eine Rehamaßnahme wurde empfohlen, da die Liegezeit im Vorhinein an meinen Kräften gezehrt hatte. Leider bekam ich nach wenigen Tagen Rehamaßnahme eine akute Blinddarmentzündung, die ebenfalls notfallmäßig operiert werden musste. Jonas hat schon im Bauch eine ganze Menge mitmachen müssen, dennoch kam er ohne irgendwelche Schäden oder gar Entzugssymptome aufgrund der Medikamenten während der Schmerztherapie genauso problemlos auf die Welt, wie seine Geschwister Indra und Timo. Der Rest der Schwangerschaft verlief ebenso gut, wie die beiden vorherigen Schwangerschaften. Dies belegt mal wieder die These, dass ein Bandi keine Angst haben muss schwanger zu werden, denn einen Bandscheibenvorfall kann man eben IMMER bekommen, egal ob schwanger oder nicht. Erwischt es einen zufällig in der Schwangerschaft, so findet sich auch dafür eine geeignete Lösung s.o. ;-)

Die Geburten wurden übrigens alle drei mit einer Spinalanästhesie per Kaiserschnitt durchgeführt, was allerdings in meinem Falle „Meisterleistungen“ der Anästhesisten war, da die Bandscheibenfächer dermaßen vernarbt sind, dass mehrere „Versuche“ notwendig waren, bis die Spritze „saß“.

Es folgten fast zwei Jahre, in denen ich die drei „Brocken“ (meine Kinder sind alle groß und kräftig) munter hob und mit ihnen sehr viel tobte. Bis zum Oktober 2008 führte ich wieder ein äußerst aktives Leben!!

Dann kam wiederum ein ganz fürchterlicher Rückschlag. Ich saß am 14. Oktober abends auf der Couch, als langsam mein rechtes Bein einschlief. Der Rücken und das Bein schmerzten schon lange, ich ignorierte das, weil einfach keine Zeit war „krank“ zu werden. Jetzt hatte es mich jedoch ganz ernst wieder erwischt. Am nächsten morgen bliebt das Bein taub. Ich fuhr in die Klinik und lag einen Tag später unterm Messer. Leider waren meine Beschwerden nach der OP nicht beseitigt. Somit verbrachte ich insgesamt sechs Wochen in der Klinik und wurde zweimal an der LWS operiert. Anfang Dezember durfte ich endlich nach Hause. Es war fürchterlich, denn meine Abwesenheit musste zu Hause organisiert werden. Trotz kurzfristig organisierter Haushaltshilfe und jeder Menge Urlaub von meinem Mann ging alles drunter und drüber. Die Kinder waren zwar tapfer, aber man merkte ihnen an, dass die Situation alles andere als gut war.

Ich kam nach Hause, mit der Auflage ganz regelmäßig Krankengymnastik zu betreiben. Heute haben wir Ende Februar 2009 und es ist mir aus Zeitmangel noch nicht gelungen, auch nur einmal zum Arzt zu gehen und ein Rezept zu holen, geschweige denn einen Krankengymnasten zu konsultieren.

Ich habe inzwischen nicht nur rechtsseitig (operierte) Bandscheibenvorfälle, sondern auch linksseitig einen mächtigen Vorfall, der konservativ versucht werden soll auszuheilen.

Nur, wie soll ich dies tun, mit drei kleinen Kindern im Schlepptau, die beschäftigt werden müssen, mit denen man zum Arzt muss, die man um 9:00 in den Kindergarten fährt, um 12:00 wieder abholt, dazwischen den Einkauf, die Wäsche und eben den ganzen Haushalt „wuppt“. Mein jüngster Sohn wird von mir 24 St. alleine betreut. Wir haben niemanden vor Ort, der einspringt....!

Vor diesen Hintergedanken hatte ich schon vom Krankenhaus im Oktober 2008 eine Mutter-Kind-Kur beantragt, die jedoch von der KK in meinem Fall abgelehnt wurde, mit der Begründung, ich könne auch vor Ort Maßnahmen ergreifen. Offenbar haben sie meine Begründung nicht gelesen bzw. nicht ernst genommen. Fakt ist, dass ich niemanden für die Kinder habe und somit keine Termine ohne sie wahrnehmen kann und zu einer Mitnahme in eine KG-Praxis sind sie noch zu klein. Keiner würde still sitzen bleiben, bis ich fertig bin, wenn ich „turne“! Jetzt läuft ein Antrag für eine Reha bei der Deutschen Rentenversicherung und ich hoffe so sehr, dass mir diese genehmigt wird. Ansonsten haben mir die Mediziner mit einer baldigen Versteifung der gesamten LWS „gedroht“.

Ich kann Euch sagen, dass meine bisherige Euphorie über die vielen guten Zeiten, die ich zwischen den vergangenen OP`s und Akutphasen hatte, inzwischen einer großen Angst, Sorge und Mutlosigkeit gewichen ist. Wie komme ich nur aus dem Schmerzteufelskreislauf heraus unter Berücksichtigung meiner alltäglichen Verpflichtungen???

Nun fragt Ihr Euch sicher, was mir denn geholfen hat, die schmerzfreien Phasen überhaupt hinzubekommen. In meinem Falle waren es sicherlich die Operationen, die mich von den Schmerzen in oftmals umgehend befreit haben. Die vielen Spritzen, die ich in all den Jahren bekommen habe, hatten kaum Erfolge gebracht. Die Krankengymnastik half mir eigentlich deutlich beim Muskelaufbau. Na ja und die Medikamente waren natürlich nur „Helfer auf Zeit, ich denke noch mit Schrecken an die 14 Tage zurück, die ich mit Jonas im Bauch in der Klinik die Schmerztherapie machen musste L Bei meinem letzten Krankenhausaufenthalt gab es wieder jede Menge Schmerzmedis und derzeit muss ich auch noch sehr, sehr oft danach greifen, um den Alltag zu meistern.

Ich möchte einerseits allen Mut machen, die sich noch in der akuten Phasen befinden, dass es auch ein Leben NACH dem Bandscheibenvorfall/den Bandscheibenvorfällen gibt und man nicht verzagen soll. Andererseits befinde ich mich gerade selber in einer ziemlich „verfahrenen“ Situation, in der ich nach Auswegen suche. Dennoch gilt immer, die „schlimme“ Zeit irgendwie rumzukriegen. Stöbert durchs Forum und richtet es Euch zuhause und auf der Arbeit so rückenfreundlich wie möglich ein. Greift auch ruhig, wenn es sein muss zu Schmerzmedikamenten. Besser man nimmt sie mal eine Zeitlang, als man bekommt gar keinen Schlaf und hat Tag und Nacht schlimme Schmerzen.

Vor allem aber kämpft für eine „saubere“ Diagnose, bevor Ihr einer Behandlung zustimmt. Ich habe eine Reihe Behandlungen mitgemacht, die rückblickend gar nichts gebracht haben und wo ich mich „durchquälen“ musste, weil einfach ungenaue Diagnosen gestellt wurden.

Erst wenn wirklich genau feststeht, was an Eurer Wirbelsäule nicht stimmt und dies - wenn möglich - auch noch durch mindestens einen zweiten Mediziner bestätigt wurde, beginnt über Operationen oder langwierige (Spritzen-)therapien nachzudenken. Denkt bei den Operationen daran, dass einige Dinge nicht mehr rückgängig zu machen sind (damit meine ich besonders Versteifungs-OP`s und künstliche Bandscheiben). Überlegt gut, bevor Ihr so einem Eingriff zustimmt und wägt ab, welche Alternativen Ihr habt! Auch wenn ich persönlich nicht mehr viele Alternativen habe, so habe ich in meinen Krankenhausliegezeiten etliche Leute kennen gelernt, die mit künstlichem Material im Kreuz nicht gut zurecht kamen und viel schlimmer dran waren, als ich. Ich persönlich werde die Versteifung so lange rauszögern, bis es überhaupt keine Alternative mehr dazu gibt.

Allen wünsche ich, dass Ihr irgendwann wieder an den Punkt kommt, wo Ihr das Leben wieder in „vollen Zügen“ genießen könnt und der Alltag Euch wieder hat (den lernt man nämlich erst zu schätzen, wenn man ihn eben nicht mehr hat J).

In diesem Sinne liebe Grüße

Printe

Stand: Februar 2009
 

Hier noch jeweils ein Bild von Indra, Timo und Jonas