Ich bin die Petra und wurde am 10.01.1965 geboren. Bin glücklich verheiratet mit meinem Mann Peter, der mir zur Seite steht und mit dem ich alt werden möchte.
Meine Familie
ist mein großer Bruder mit meiner Schwägerin, meine große Schwester mit meinem Schwager. Meine Mutti verlor ich, als ich 9 Jahre alt war und meinen Vati, als ich 17 Jahre alt war. Dafür habe ich aber meine Schwiegereltern sehr lieb gewonnen, die auch für uns immer da sind: Kurz gesagt, eine tolle Familie
Von Beruf bin ich Sekretärin und seit über 17 Jahren in einem großen Baukonzern beschäftigt und in meiner Eigenschaft als Betriebsrat auch noch Suchthelferin.
Meine Hobby’s sind in erster Linie die Dolomiten, ich bin ein irrer Bergfanatiker, als Spanienfan gefällt mir Andalusien sehr gut, ich liebe unseren Garten und die Gartenarbeit und außerdem unsere Katze, unseren Nymphensittich und unseren weißen Schäferhund.
Als Dauertherapie verordne ich mir selbst Spaziergänge mit unserem Hund.


Krankheit!? Ja oder nein?

Nachdem ich im Jahr 2000 von ziemlichen Rückenschmerzen geplagt wurde, begann meine „Misere“ am 11.07.2002 beim Orthopäden. Im Juli und Oktober gab’s erst mal KG. Na ja, man denkt halt auch, wird schon wieder weggehen. Als sich allerdings nichts besserte, im Gegenteil, wurde ich am 20.10. zur Kernspin mit akuten ISG-Syndrom rechts überwiesen.
Befund: 5 mm tiefer rechts medio-lateraler Bandscheibenvorfall im Segment LWK 4/5 mit Kompression des Thekalsacks, so daß eine mäßiggrade spinale Enge entsteht. Mediale Bandscheibenprotrusion im Segment L5/S1 mit geringer Kompression des Thekalsacks. Links laterale Bandscheibenprotrusion im Segment LWK 3/4 mit Tangierung der linken Nervwurzel L4. Osteochondrose in den unteren 2 Bewegungssegmenten. Klarer Fall.

Es folgten bis zum Februar 2001 EAP’s. Ab dem 01.02. begann ich auf eigenen Wunsch eine Wiedereingliederung mit 4 Stunden am Tag, die aber leider am 19.02. wieder abgebrochen werden mußte, da ich erneut starke Schmerzen bekam, die ich nicht mehr aushalten konnte.

Dann ging ich, auf anraten meines Orthopäden, mit meiner Kernspin in die Orth.-Klinik zu einem Vorstellungstermin beim Chirurgen. Dieser sagte, daß eine OP absolut nicht notwendig ist und wir versuchen es erst einmal mit einer stationären Schmerztherapie (konservativ parenterale Analgesie und Muskelrelax, KG, Elektro, Fango, Facetteninfiltration, PDA, Bewegungsbäder). unter diesen Maßnahmen konnte innerhalb weniger Tage eine deutliche Beschwerdebesserung erzielt werden. Nach der Entlassung fingen zwei Tage später die Schmerzen mit so einer Stärke wieder an, daß ich nur noch Heulkrämpfe hatte. Also wieder zum Orthopäden und nochmals in die Klinik zum Gespräch.

Eine neue Kernspin mußte her.
Befund: Im Verlauf zur Voruntersuchung Zunahme des bekannten medio recht lateral gelegenen Bandscheibenvorfalles in dem Segment L 4/5 mit erheblicher Kompression der rechten Nervwurzel L5. Unverändert minimal Bandscheibenprotrusion L5/S1.

Am 05.04.2001 bei dem Gespräch mit meinem Chirurgen wurde der OP-Termin für den 09.04. festgelegt. Dieser sah keinen anderen Ausweg. Schweren Herzen’s stimmte ich zu, die Schmerzen waren für mich nicht mehr zum Aushalten. Hätte ich gewußt, was da noch so alles auf mich zukam, ich hätte nie und nimmer zugestimmt.

Die OP wurde konventionell und unter Vollnarkose gemacht, da der mikrochirurgische Eingriff durch den starken Bandscheibenvorfall nicht mehr möglich war. Bei der OP wurde der Sequester in mehreren Anteilen entfernt, ein Barriere-Gel eingebracht und ein Sulmycin-Schwämmchen aufgelegt. Dieses Schwämmchen wird im Normalfall zwar erst bei einer zweiten OP gemacht, aber der Chirurg wollte mir - wenn ich Probleme bekommen würde (in Form von eventueller starker Narbenbildung) - diese OP ersparen. Als ich aus der Narkose aufwachte, stellte ich panisch fest, daß alles was rechts von L4/5 wegging, taub war und ich mein Bein nicht bewegen konnte. Der herbeigeeilte Chirurg untersuchte mich noch (was in diesem Stadium machbar war) und meinte, man müßte erst mal abwarten, aber Nerven wurden nicht verletzt. Nach vier Tagen gestaltete sich meine Mobilisation sehr schwierig (ich wollte nicht aufstehen und die starken Mittel durch Infusionen und einer Schmerzpumpe ließen mich mehr auf Wolke 7 schweben). Mein Chirurg, die Schwestern und meine Lieblingstherapeutin versuchten dann mit vereinten Kräften, mich auf die Beine zu kriegen, damit mein Korsett angepaßt werden konnte. Da stand ich das erste Mal auf den „Beinen“, gehalten von 4 Leuten. Von da an ging es etwas bergauf. Ich konnte nur nicht laufen, habe meine Beine nicht richtig zusammen bekommen und habe mein rechtes Bein hinterhergezogen. Außerdem kristallisierte sich eine Fußheberparese heraus, der ASR rechts war nicht auslösbar und Lasegue negativ. Nach zwei Wochen wurden die starken Schmerzmittel abgesetzt und ich machte einen kleinen Entzug durch. Mit Krücken und meiner Therapeutin konnte ich dann laufen üben und wurde nach 3 Wochen entlassen. Ohne Verordnung von Reha oder AHB. Da hat sich die Klinik gesträubt, die meinten, man könnte mit mir in der AHB so kurz nach der OP sowieso nichts anfangen. Noch im Krankenhaus wurde ein Antrag auf Schwerbehinderung gestellt.

Da mein Mann für mehrere Wochen nicht frei nehmen konnte, um sich zu Hause um mich zu kümmern, sprach ich mit meinem Chirurgen und dieser ordnete eine AHB an. Diese war auch in unserer Nähe.

Liegend wurde ich erst mal nach Hause transportiert, mein Mann hatte sich ein paar Tage frei genommen, ich brauchte ja auch jemanden, der mir was zu Essen macht, was zum Trinken holt, mich auf die Toilette begleitet oder in der Dusche behilflich ist, die Thrombosespritzen gab und alles machte, was ich nicht konnte. Ich wollte auch unbedingt erst mal nach Hause. War ja schließlich fünf Wochen - mit kurzer Unterbrechung - im Krankenhaus.

Dann ging’s im Liegetransport ab in die AHB. Diese dauerte vom 04.05. - 01.06. Dank der mir zugewiesenen Therapeuten und den verordneten Anwendungen (wie Bewegungsbad, Masse, KG, Lauftraining, die auf mich abgestimmt wurden), konnte ich nach drei Wochen die Krücken endlich in die Ecke schmeißen. Für jeden kleinen Fortschritt war ich unheimlich dankbar und überglücklich. Aber erst, nachdem mich meine Therapeutin darauf hingewiesen hat, daß ich überhaupt Fortschritte mache - selbst konnte oder wollte ich das nicht sehen.

Zu Hause wieder angekommen bekam ich weiterhin EAP’s und Krankengymnastik. Im August konnte ich wenigstens im Haushalt ein paar Kleinigkeiten erledigen.

Durch die neurologischen Störungen mußte ich am 11.06. zu einem Neurologen.
Befund: Neurologisch: Hapästhesie/-algesie im Bereich der Unterschenkel-Außenseite rechts, Kraftgrad Minderung der Dorsal Flexion und der Inversion im rechten Sprunggelenk, der Flexion im rechten Knie und der Extension der rechten Hüfte (3-4/5). Lasegue negativ. Hackengang rechts nicht möglich.
Elektrophysiologisch: Die P1 latenz im SSEP des Nervus tibialis ist rechts mit 44,4 ms verlängert als im Vergleich zu linken Seite. Es ergibt sich die Diagnose eines L5 Wurzelirritationssyndroms bei Z. n. Bandscheiben-OP.

Also war erst mal klar, daß bei der OP keine Nerven verletzt wurden. Es folgten weiterhin viele KG’s, EAP’s, Elektro usw.  

Am 29.08. wurde eine Kontroll Kernspin gemacht.
Befund: Medio rechts lateraler Rezidiv-Bandscheibenvorfall in dem operierten Segment L 4/5. Ausgedehnte narbige Veränderung bei Z.n. re.-seitiger Hemilaminektomie in den Rückweichteilen. Osteochondrose der Bandscheibe L5/S1 mit breitbasiger Protrusion.

Nach Meinung meines Orthopäden und dem Chirurgen war eigentlich alles in Ordnung.

Wenn alles in Ordnung ist, kann ich ja auch wieder arbeiten gehen, dachte ich. Auf Anraten meines Orthopäden sollte ich erst mal eine Woche irgendwohin fahren und Urlaub machen. Dafür bekam ich auch ein entsprechendes Attest. Mein Mann und ich waren dann vom 29.09. - 06.10. am Königssee und sind auch in den Bergen herumgewandert (was man so wandern nennen kann in dem Zustand, wir sind nämlich Bergfanatiker).

Ab dem 01.11. begann ich eine Wiedereingliederung mit 2 Wochen à 4 Stunden und 2 Wochen à 6 Stunden und ab dem 01.12. ging ich dann wieder volle Tage arbeiten. Bis dahin war ich dann 13 Monate zu Hause. Allerdings blieb mir mein alter Arbeitsplatz (Chefsekretärin) nicht erhalten, ich wurde als Sekretärin (Doofi für alles und alle) auf eine Baustelle versetzt. Sträuben half nichts. Es begann eine Arbeitszeit von mindestens 10 Stunden täglich. Ich muß morgens um ca. 5 h aufstehen und bis ich abends zu hause bin, ist es auch schon 19.15 h. Freitags habe ich aufgrund von vielem alten Urlaub und den ganzen Überstunden frei bekommen.

Nebenbei machte ich noch 1 x wöchentlich ein funktionelles Muskelaufbautraining.

Bis ca. Mai/Juni ging erst mal alles recht gut und ab Oktober fingen die neurologischen Störungen und Schmerzblitze bis in die Fußzehen an und auch die Rückenschmerzen waren wieder da. Das „Nervenbrennen“ in den Beinen ging dann ca. Oktober/November wieder los. Ich bekam es mit der Angst zu tun und ging (hab natürlich wieder zu lange gewartet) zu meinem Hausarzt, der mich zu einem ihm bekannten Neurologen überwies. Bei diesem hatte ich bis jetzt vier Termine und da führte er allerhand schmerzhafte Untersuchungen durch.

Da ich durch die Schmerzen nicht arbeiten kann, bin ich seit dem 05.12. wieder krankgeschrieben (auf unbestimmte Zeit).

Es wurde diesmal ein CT angefertigt mit dem Befund, daß sich seit dem 29.08.2001 nichts geändert hat. Meine Radiologin war ziemlich erstaunt, daß ich darüber nicht informiert worden bin. Sie sagte mir damals, daß da was nicht „stimmen“ könnte. Mittlerweile habe ich auch den Befund vom 29.08.2001.

Ich habe mir jetzt einen neuen Orthopäden gesucht, da es mit dem alten immer wieder Streit wegen dem Budget gab. Dieser stellte auch auf Grund von Röntgenaufnahmen fest, daß ich schief stehe (linkes Bein ist kürzer) und hat mich erst mal vermessen (hat bis dahin noch keiner gemacht). Jetzt bekomme ich erst mal eine Spritzentherapie mit Cortison (was ich sehr schlecht vertrage) und beginne im neuen Jahr eine Therapie nach McKenzie in meiner alten EAP-Einrichtung.

Am 19.12. war ich noch mal beim Neurologen, der der Meinung ist, daß meine Symptomatik nicht zu den Bandscheibenvorfällen paßt und will mich im neuen Jahr in die neurologische Klinik überweisen, um eine Lumbalpunktion machen zu lassen bzw. meinte er, man müßte noch mal operieren. Dagegen werde ich mich aber erst noch wehren. Dies bedeutet nämlich wieder ein Eingriff mit Risiken und die Chancen von 30 %, daß alles gut geht oder eine Besserung eintritt, sind mir viel zu wenig, um diesen Schritt zu gehen.

Bis jetzt ist das für mich ein Leidensweg mit Höhen und Tiefen und auch sehr vielen Tränen gewesen, anders kann ich es für mich nicht sehen. Außer: ich habe meine Erfahrungen gemacht, daraus gelernt und habe auch sehr viel über mich gelernt. Wäre nach der OP mein Mann nicht für mich da gewesen, wäre ich aus dem Fenster gesprungen. Aber in diesen schweren Stunden, Tagen, Wochen und Monaten habe ich in meinem Mann eine sehr große Stütze gehabt und auch dieses Mal wird er mir wieder zur Seite stehen. Auch meine Geschwister sind immer für mich da. Freunde..... Freunde sind nur wenige geblieben (sowieso nur die langjährigen) alle anderen haben sich zurückgezogen. Aber das sind Freunde, die für uns da sind und umgekehrt sind wir auch für unsere Freunde da.

Aber es gibt ein Sprichwort: In der Not erkennst du deine wahren Freunde.

Außerdem habe ich noch zwei Co-Therapeuten: Meine Katze Kurti (eigentlich Maunzi getauft) und unser weißer Schäferhund Schnucki (heißt eigentlich Sarah). Die müssen hier als wichtige Co-Therapeuten unbedingt genannt werden. Denn, unser Schnucki begleitet mich auf meinen Spaziergängen und ist mir ein treuer Kumpel und wenn es mir schlecht geht, dann tröstet mich meine Katze mit ihrer Schmuserei und wärmt mir den Rücken.  

Aus meinen Erfahrungen heraus möchte ich hier allen „Neuen“ erst mal von einer OP abraten. Jeder sollte versuchen, alle konservativen Möglichkeiten auszuschöpfen bzw. Diagnosen von verschiedenen Ärzten erstellen zu lassen, um so eine vielleicht angeratene OP zu umgehen. Auch wenn die Krankenkasse nicht alles bezahlt und privat die finanzielle Lage es nicht unbedingt zuläßt - es ist vieles auch ohne OP machbar und es gibt im Menschenleben nur eine Gesundheit.

Aber dies alles kann jeder hier im Forum erfahren.

 Stand: Dezember 2002