Ich bin ein Kämpfer. D.h. manchmal kämpfe ich mich auch einfach nur so durchs Leben. Jochen heiße ich, Jahrgang 1970 und von Beruf Redakteur bei einer Zeitung in Luxemburg. Meine Leidensgeschichte begann am 26. Dezember 1998.

Ich merkte ein leichtes Ziehen in der Leistengegend. Mmh, wird schon wieder weggehen, dachte ich. Ging es aber nicht. Es wurde stärker. Im Januar 1999 wandere ich vom Hausarzt zum Urologen zum Chirurgen. Niemand wusste, was das sein konnte. Ich tippte damals bereits auf ein Bandscheibenproblem, weil ich im Internet die Symptome recherchiert habe und das ziemlich genau auf mich zutraf. Nun gut, mein Chirurg (ein toller Mensch), meinte, dass wir so lange suchen würden, bis wir was finden. Die Symptome waren nämlich nicht eindeutig bandscheibentypisch.

Ich ließ also ein Szintigramm machen, damit misst man die Knochendichte. Es hätte ja auch ne Krebserkrankung oder sonst was sein können. Ergebnis: negativ. Aber die Schmerzen blieben. Nur mit Wärme waren die Symptome einigermaßen in den Griff zu kriegen. Es wurde beständig schlimmer. Mein Chirurg meinte irgendwann, ich müsse mal zur Kernspin. Nachschauen lassen. Das Ergebnis nach erster Deutung der Ärzte dort: ein Prolaps (=Vorfall) L5/S1. Mit diesem Resultat wanderte ich zu einem Neurochirurgen. Dort bekam ich dann die nieder-schmetternde Diagnose: Schwerer Bandscheibenvorfall, muss womöglich bald operiert werden. Ich nahm mir die Kernspin-Bilder wieder zur Brust und fand den Prolaps gar nicht so ausgeprägt. Jedenfalls erhielt ich Spritzen. Spritzen, die durch den Rückenmarkskanal an die entsprechende Stelle befördert wurden und deren Inhalt, den Schmerz lindern und die Bandscheibe zum abschwellen bringen sollten. Heute weiß ich: HUMBUG. Wenn die Spritzen nicht millimetergenau sitzen (und wer will das ohne ein CT fertig bringen?) nützen sie gar nichts, außerdem dem Geldbeutel des Neurochirurgen.

Ich suchte Rat bei meinem guten Freund dem Chirurgen W.. Den fragte ich nach einer evtl. OP. Er sah mich entgeistert an und erzählte mir, dass er ebenfalls einen BSV gehabt hätte (an der selben Stelle). Seine große Zehe sei zwar jetzt taub, aber eine OP kam nicht in Frage, schließlich wisse er ja als Chirurg, was da gemacht würde. Etwas nachgefragt meinte er allerdings auch, dass es Fälle gebe, wo eine OP unabdingbar angeraten sei (Blasenschwäche, dauerhafte Lähmungen usw.). Jedenfalls wurde es immer schlimmer. Ich fiel in Berlin fast ne Treppe runter, weil ich mein Bein nicht mehr spürte, hatte ständig Schmerzen und irgendwann sogar wochenlang Schweißausbrüche. Heute glaube ich, dass mir die Psyche einen Streich gespielt hat.

Nachdem ich einen Heilpraktiker verschlissen hatte, der außer 250 Euro Verlust nichts, aber auch gar nichts brachte (N.B. ich glaube keinen Meter an deren vermeintlichen Kenntnisse), beschloss ich , mir die Meinung eines zweiten Neurochirurgen einzuholen. Der, ein bekannter Arzt aus Trier, testete mich kreuz und quer ab und meinte: sie sollten mal ne Runde ins Fitness-Studio gehen, dann geht es Ihnen auch mal wieder besser. Nun hatte ich zwei Neurochirurgen, eine Kernspinaufnahme, und zwei geradezu entgegengesetzte Meinungen. Ich beschloss mir mal im Internet die Aufnahmen von anderen anzusehen, die so was ins Netz gestellt haben. Und ich kam zu dem Schluss, bei mir ist das mit dem Prolaps (oder der Vorwölbung, darüber besteht unter den Experten keine Einigkeit) nicht so dramatisch.

Ich fand mich also tatsächlich in einer Mucki-Bude ein. Sehr nette Leute. Sehr gute Stimmung. Es brachte mir zumindest einen freien Kopf, aber so richtig besser wurde es nicht (ich ging jeden Tag oder mindestens vier Mal die Woche). Die Schmerzen waren jetzt stichartig im Rücken und arge Belastung kam gar nicht in Frage. Die depressive Phase konnte ich allerdings etwas hinter mir lassen. Zwischendurch hatte ich mir auch ein Wasserbett zugelegt. Endlich konnte ich wieder schmerzfrei schlafen (Kostenpunkt: 1500 Euro). Ein Korsett half mir, dann wenn ich mich nicht mehr gerade auf dem Stuhl halten konnte oder wenn ich im Garten was arbeiten wollte (soll man nicht lange umlegen!!). Ein Lendenwirbelkissen macht seither das Autofahren erträglicher. So. Und dann stieß ich auf das Bandscheiben Forum von Margrit. Die Meinungen der Leute sind ja oft recht kontrovers, aber es gibt Trends. Und ein Trend hieß: Muskelaufbau. Nun gut, das hatte ich ja schon versucht. In besagter Mucki-Bude.

Und dann bin ich durch einen Eintrag von Thomas auf die Idee mit Kieser gekommen. Grundprinzipien sind: supergenaue Übungsdurchführung und das Gebot der Langsamkeit. Um meiner armen Bandscheibe noch ein bisschen mehr auf die Sprünge zu helfen, habe ich mich auch zur PRT durchgerungen. Dabei wird eine Spritze unter Sicht (mittels CT) an die Bandscheibe rangeführt. Das gespritzte Mittel enthält neben Kochsalzlösung, ein Betäubungsmittel und Cortison (allerdings in relativ geringer depotartiger Dosierung). Im August nach zirka einem Jahr monatlicher PRT-Behandlung und zwei Monaten Kieser veränderte sich mein Zustand insofern, dass es ganze schmerzfreie Tage gab, jetzt sogar Wochen. Das schreibe ich dem Konglomerat an Dingen zu, die ich ausprobiert habe. Ich glaube, dass für mich PRT und Kieser die entscheidenden Faktoren war. Völlig weg ist die Problematik nicht und das wird sie auch nie sein. Aber es ist nicht nur erträglich geworden, sondern sogar so, dass ich das Drama Bandscheibe von Zeit zu Zeit ganz vergesse. Und das ist ein Riesenerfolg. Seit 15. Juli dieses Jahres (dem Tag meines Umzugs), gab es nur fünf Tage an denen es mir nicht so gut ging. Wenn das kein Erfolg ist...

Ich hoffe, dass es so bleibt und werde Euch weiter auf dem Laufenden halten.